Designsprint bei einem Automobilzulieferer

von Björn Ruland am 19. Oktober 2020

Durchführung eines Design Sprints (5 Tage zzgl. gemeinsame Vorbereitung) von der Ideengenerierung und -bewertung über die prototypische Umsetzung bis zur Validierung von Lösungsideen. Dieses Format eignet sich besonders für Teams, die konkrete innovative Ideen im eigenen Kontext generieren und validieren wollen.

beteiligte Personen: 10

Zeitrahmen: 4 Wochen

Ausgangslage:

Eine Anwendungssoftware mit ca. 10.000 Nutzern wurde erfolgreich in der Version 1 zur Verfügung gestellt. Aufgrund von sich verändernden Strukturen wurde eine Version 2 geplant, die gleichzeitig auch den neuesten Anforderungen nach einer nutzergerechten Bedienung erfüllen sollte. Es gab ein Projektteam und viele Ideen, die strukturiert zusammengeführt werden mussten.

Ziele des Projekts/des Auftraggebers:

  • Ausarbeitung einer priorisierten Anforderungsliste zur Umsetzung einer Softwareversion 2
  • Entwicklung eines funktionierenden Prototyps
  • Vollumfängliche Einbindung der Nutzer in Softwareversion 1

zentrale Fragen und Herausforderungen:

  • Sammlung und Priorisierung von Anforderungen mit nur wenigen Nutzern bezogen auf die Gesamtmenge der Anwender
  • Einbezug unterschiedlicher Nutzergruppen (Sekretariate, Führungskräfte etc.)
  • Entwicklung des Prototypen in Indien

Methoden und grundsätzliches Vorgehen:

Methodische Grundlage des Design Sprints war Design Thinking. Aufgrund der Entwicklersituation in Indien empfahl es sich, den Sprint in zwei Abschnitte zu drei bzw. zwei Tagen aufzuteilen.

Abschnitt 1 (Dauer 3 Tage): Jeder gute Problemlösungsprozess beginnt mit der Analyse des Problems. Im Design Thinking werden dazu die Phasen des Verstehens, des Beobachtens und des Entwickelns einer Sichtweise durchlaufen. Ziel war es demnach, zunächst ein Verständnis für die Ausgangssituation aufzubauen.

Um das Problemfeld zu untersuchen, griffen die Teammitglieder auf alle zur Verfügung stehenden Informationen zurück (Statistiken, Literatur, Studien, Analysen, Vorerfahrungen etc.). Anschließend wurden Interviews mit Nutzern durchgeführt. Sie fragten die Menschen dabei nicht, welche Lösung oder welches Produkt sie haben wollen. In diesem Schritt ging es darum, die Geschichten der potenziellen Nutzer zu erfahren, aus denen sie wesentlich mehr herauslesen konnten.

Die Teammitglieder tauschten sich im Anschluss über ihre wesentlichen Erkenntnisse aus den Interviews aus. Durch die Diskussion entwickelte das Team eine gemeinsame Sichtweise auf das Problem und war von diesem Ausgangspunkt aus bereit, nach Lösungen für einen zu definierenden Nutzer (Persona) zu suchen.

Erste Ideen zu einem Prototypen wurden gesammelt, priorisiert und auf Flipcharts gezeichnet. Dieser noch gezeichnete Prototyp wurde zum Ende des dritten Tages dann in die Entwicklung nach Indien gegeben.

Abschnitt 2 (2 Tage): Der entwickelte Prototyp aus Indien wurde in der Zwischenzeit fertig gestellt, sodass im nächsten Schritt das erste Testing mit Nutzern durchgeführt wurde.

Echte Nutzer wurden eingeladen, der passende Raum organisiert und ein Ablauf festgelegt. Nach diesem Testing wertete das Team das Feedback aus. Daraus ergaben sich neue Sichtweisen, Verbesserungen, Varianten und Alternativen, die umgehend in ein priorisiertes Anforderungsdokument (Backlog) überführt wurden. Dieses Backlog war das zentrale Ergebnis des Design Sprints, auf Basis dessen die Softwareversion 2 allen Nutzern des Unternehmens zur Verfügung gestellt wurde.


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