MVP – was ist das?

von Lars Guillium am 30. September 2020

Die Abkürzung MVP steht für MINIMAL VIABLE PRODUCT.

Es beschreibt die minimalste Anforderung, die dem Kunden bereits einen Mehrwert liefert. Das Produkt ist in sich geschlossen und könnte bereits verkauft werden.

Möchte der Kunde umweltbewusst von seiner Wohnung quer durch die Stadt zu seiner Arbeitsstelle kommen, ist für ihn kein Mehrwert geschaffen, das linke Vorderrad des neuen Elektroautos zu produzieren. Damit ist seine Minimal-Anforderung morgens zur Arbeit zu kommen nicht erfüllt. Mit einem Skateboard aber schon.

MVP heißt nicht, billige Lösungen auf den Markt zu werfen

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Satz „bei uns funktioniert das aber nicht!“ gehört habe; oder „unsere Strukturen lassen so ein Vorgehen nicht zu“ oder „unsere Kunden erwarten einen gewissen Qualitätsstandard von uns“.

So passiert es auch häufig, wenn ich in einem Team den Gedanken des MVPs einbringe. Schon allein die Tatsache, dass es ein sehr erfolgreicher Ansatz in der Startup Szene ist, führt dazu, „dass das hier ja nicht funktionieren kann“. Aber warum eigentlich nicht?

Es geht nicht darum, „billige“ Lösungen auf den Markt zu werfen. Es geht darum, weniger Zeit mit den falschen Lösungen zu verschwenden. Sehen Sie es als jene Version Ihres neuen Produktes an, die es Ihnen erlaubt, mit dem geringsten Aufwand ein Maximum an validierten Lerninhalten zu sammeln. 

Was es zu beachten gilt

Damit das MVP auch wirklich als solches funktioniert, sollten Sie ein paar grundlegende Dinge beachten:

  • Setzen Sie Ideen schnell um und testen Sie diese in einer kleinen Gruppe! So erhalten Sie schnell ein Gefühl für das Kundeninteresse an Ihrem Produkt. Holen Sie sich dazu Feedback von den Nutzern ein, beobachten Sie aber vor allem deren Umgang mit dem Produkt.
  • Konzentrieren Sie sich auf die richtige Zielgruppe! Geeignete Nutzer sind die sogenannten „Innovatoren“ und „Early Adopter“, da sie Neuem gegenüber offen sind und gerne ausprobieren. Sie würden selbst für eine (noch) nicht perfekte Lösung zahlen, weil sie die Ersten sein wollen.
  • Achten Sie auf die Balance! Ihr MVP muss funktionsfähig sein, um die Kaufabsicht der Kunden testen zu können. Beschränken Sie sich hierbei aber auf die Kernfunktionalität und streichen Sie zu Beginn Extra-Funktionen. Das Stichwort ist hier „Minimum“.

It‘s worth a try 

Wie lässt sich das nun konkret umsetzen, fragen Sie sich? Nun, in einem MVP steckt immer die Nutzen-Hypothese („Braucht der Kunde unser Produkt?“) und die Wachstums-Hypothese („Würde der Kunde unser Produkt kaufen?“). Diese gilt es im sogenannten Build-Measure-Learn-Kreislauf zu bestätigen oder zu belegen.

  1. Bauen Sie also eine minimalistische Lösung, basierend auf Ihrer Produkt-Hypothese. 
  2. Testen Sie das MVP auf einem klar umrissenen Testmarkt mit echten Nutzern.
  3. Messen Sie nach klar definierten Kriterien, ob die Lösung von den Nutzern angenommen wird.
  4. Lernen Sie Ihre Kunden sowie deren Denkweise kennen und optimieren Sie mit diesem Wissen und dem Feedback Ihre Lösung. 
  5. Verproben Sie die nächste Produkt-Hypothese, wenn Ihre ursprüngliche Annahme falsch war

Durchlaufen Sie diesen Zyklus möglichst schnell mit Ihren im Vorfeld erstellten Hypothesen, um so Stück für Stück herauszufinden, wofür Ihre Kunden tatsächlich zahlen würden. Das kann dazu führen, dass Sie Ihre eingeschlagene Strategie ständig leicht korrigieren oder Ideen auch ganz aufgegeben müssen.

Ein MVP bewahrt Sie davor, ein Produkt ohne Ihre Kunden zu entwickeln. Packen Sie vor Veröffentlichung alle denkbaren Funktionen in das Produkt, die aber am Ende von Kunden gar nicht genutzt werden, war ein Großteil des Entwicklungsaufwands umsonst. Mit einem MVP kann der Nutzer Feedback geben, welche Funktionen er sich noch wünschen würden. So minimieren Sie Innovationsrisiken und haben größeren Spielraum mutig etwas Neues auszuprobieren.


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